Gleich zu Beginn: dieser Text beinhaltet ein Suchrätsel. ihr seht 5 männerbildnisse. Doch nur auf zweien davon ist tatsächlich mein Sohn zu sehen, davon einmal mit Leihgesicht!
Wer weiß es? Die GewinnerInnen dürfen mir einen exklusiven Kommentar schreiben!
Doch nun der Text:
Heute vor genau 21 Jahren:
auch an diesem Allerheiligentag war es fast frühlingshaft warm. Den ganzen Tag stand das Fenster offen und ich genoss das traumhafte Wetter.
Doch mein größtes Glück lag in einem Körbchen direkt neben mir: 49 cm klein, 3,10 kg schwer, mit flaumigem leicht gelocktem schwarzem Haar und dem Gesichterl eines Püppchens. Du warst gerade einmal einen Tag alt, geboren zu Halloween 1986 (gabs damals aber noch nicht in Österreich)
Mei, warst du süß, mein Sohn! Andere Mütter im Sanatorium wollten dich aufheben, die Hebamme gestand mir, dass sie dich nach dem morgendlichen Baden immer noch ein bisschen länger bei sich behielt, weil du so goldig zum Anschauen warst.

Wenn ich später mir dir und deiner um 19 Monate älteren Schwester ausfuhr, blieben die Leute stehen, weil ihr so hübsch ward. Oft wurde ich um die Erlaubnis gebeten, dass man euch fotografieren dürfe.
Und nun:
Gestern bist du 21 Jahre alt geworden!
Es war dir wichtig, mit mir gemeinsam Geburtstag zu feiern, extra hast du dir den Wecker ganz früh gestellt, du chronische Schlafhaube, damit wir gemeinsam frühstücken können, bevor ich arbeiten gehe.
Da saßen wir dann in der Küche, statt einer Torte gabs 21 Ferrero Rocher mit Kerze, und genossen die Zweisamkeit, auch wenn wir nicht viel miteinander geredet haben, sondern Zeitung lasen, uns vorlasen (der Rest der Familie war in der Ordination, auf der Uni, in der Schule)

21 Jahre mit viel Freude, viel Spaß, aber auch sehr viel Sorgen. Du warst und bist mein Kind, für das man die Bedienungsanleitung mitzugeben vergaß.
Immer bist du anders gewesen, hast dich über Dinge gefreut, die andere nicht bemerkten und warst gleichgültig gegenüber all dem , was andere Kinder faszinierte. Ich erinnere mich nur an die diversen´Kinderfeste, an denen du gelangweilt in einer Ecke saßest oder ganz traurig warst und nur wieder heim wolltest. Deine stundenlangen Wutanfälle aus uns völlig unbegreiflichen Gründen treiben uns heute noch in der Erinnerung den Schweiß auf die Stirn..
Mit zwei Jahren sprachst du immer noch nicht oder nur "Mama, Papa, Lulu". Doch dann, von heute auf morgen, ging ich ins Zimmer, wo du mit deinem gleichaltrigen Freund in Kleinkinderart auf dem Boden hocktest und ihr unterhieltet euch angeregt: Du konntest von einem auf den anderen Tag in ganzen Sätzen und besonders schön sprechen, nichts gabs dazwischen an Zweiwortsätzen.
Du konntest erst spät gehen, dann aber perfekt, ohne zaudern und wackeln.

Die Schule, eine einzige Tortur für dich und deine Umwelt.Und dennoch bist du so voller Wissen und Wissensdurst, ein wandelndes Lexikon. Doch keiner weiß, woher dein Wissen stammt, sicher nicht aus der Schule, die du vor drei Jahren endgültig und erfolglos verlassen hast. Dann kam auch noch die Krankheit dazu (Epilepsie in Form von Absenzen), seit 8 jahren deine treue Begleitung.
Kein Führerschein, kein Alkohol (naja , fast kein Alkohol...) Jede Menge Tabletten täglich.
Seit einem Jahr keinen großen Anfall mehr, du bist wacher, frischer, ausgeglichener. Keiner weiß, ob du wieder ganz gesund wirst. Eine fiese Krankheit, von der du, der Kranke , nur Erzählungen kennst und EEG-diagramme. Keine Erinnerung, kein Schmerz, kein Bewusstsein über dieses Leiden.

Du bist schwierig, eigenbrötlerisch, verschlossen. Du magst keinen Körperkontakt, zumindest nicht von deiner Familie, schmust aber stundenlang mit den Katzen, die dich über jede Katzengrenze hinaus lieben und auf dich zugehen.
Du bist aufmerksam, gutmütig, hilfsbereit und magst es noch immer nicht, für längere Zeit alleine zu hause zu sein.Du freust dich über Kinderdinge, baust noch immer leidenschaftlich gerne Legoburgen (da hat dein kleiner bruder keine Chance gegen dich), kannst dich abhauen über die Simpsons und Sponge Bob und deine großen Augen strahlen vor Freude über jede Süßigkeit, die ich dir mitbringe.
Du hattest immer dein eigenes Tempo, dann las ich "Die Entdeckung der Langsamkeit" von Sten Nadolny und dachte, woher kennt der Nadolny meinen Sohn? Was du machst, machst du genau, bedächtig und gut.Aber du machst halt nicht immer, was du machen solltest.....
Du machst keine Dinge, die du nicht perfekt kannst, das ist der größte Stein, den du dir selber in den Weg legst.

Die Leute schütteln den Kopf über dich, verständnislos, weil du wieder mal nicht so reagiert hast, wie man es eigentlich erwartete.
Du bist du bist du, das ist die Formel.
Doch deine vielen Freunde lieben dich, und so waren sie auch gestern alle da, der schräge grantelnde Alex, der hin-und hergerissene charmante Georg, der verspielte Felix. Und wer nicht kam , sandte SMS, mailte, rief an.
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Du bist ein faszinierender Mensch, auch wenn mich die Sorgen um dich manchmal ganz matt machen. Du wirst deinen Weg finden, du wirst Erfolg haben, du wirst DEIN Leben finden, und derweil hast du ganz viel Platz in meinem.Mein Sohn, ich hab dich sehr lieb, auch wenn du nimmer aussiehst wie ein Püppchen, auch nicht wie ein Bübchen, ein fescher junger Mann bist du geworden.
Alles Gute zum Geburtstag!